Zwei Suchende im Wald: Der Geocacher und der Jäger

Der schöne sonnige Tag heute hat wohl viele Geocacher endgültig aus dem Winterschlaf gerissen und hinauaus in die Natur getrieben. Spürbar neigt sich nun der Winter dem Ende zu und so locken wieder die zahlreichen Cache außerhalb der bewohnten Gebiete. „Bis bald im Wald“, trifft nun bald wieder häufiger zu und so kam es, dass ich mich über diese Thematik letzthin mit meinem Kollegen Dieter unterhalten habe, der im Wald zwar gleichfalls als Suchender unterwegs ist, allerdings nicht als Dosensucher, sondern als Jäger.

Z’Mahlzeit: Immer häufiger hört man davon, dass es zu Problemen zwischen Geocachern und Jägern/ Förstern kommt. Wie siehst Du denn das Ganze?
Dieter: Es stimmt schon, Wanderer und Erholungssuchende frequentieren zunehmend die Natur bzw. suchen den Wald auf. Wie ich ja von dir weiß, sind Geocacher mitunter auch abseits der befestigten Wege und auch während der Dunkelheit unterwegs. So ist insbesondere die Beunruhigung der Wildtiere natürlich entsprechend größer.
Z’Mahlzeit: Was gibt es denn da besonders im Frühjahr zu beachten?
Dieter: Im Frühjahr, so ab März/April wird der Nachwuchs von Rehen, Hasen, Füchsen, Wildschweine usw. geboren und der Wald verwandelt sich in eine Kinderstube. Gerade Rehe legen ihre Kitze häufig im hohen Gras ab, halten sich in der Nähe auf und versorgen sie mehrmals täglich.Somit ist es durchaus möglich, dass man abseits der Wege augenscheinlich verlassene Kitze oder kleine Hasen findet. Bei frisch geborenen Kitzen ist es so, dass sie sich bei Gefahr tief ins Gras ducken und nicht ans Davonlaufen denken. Solche scheinbar allein gelassene Kitze sollten nicht angefasst werden, damit sie nicht von der Mutter dann verstoßen werden. Bei anderen Jungtieren kann jede Störung die Tiere erschrecken und zu panikartigen Fluchtreflexen veranlassen. Deshalb ist rücksichtsvolles Verhalten bei Waldspaziergängen besonders wichtig.
Z’Mahlzeit: Kannst du mir denn insgesamt ein paar Verhaltensregeln an die Hand geben, damit das Wild in Wald und Wiese wenig gestört wird und es somit möglichst zu keinen Problemen mit Jägern/Förstern kommt?
Dieter: Wie ich schon gesagt habe, werden von Anfang März bis etwa Anfang Juni die Jungen der Wildtiere geboren und aufgezogen. In dieser Zeit sollten Waldcache abseits befestigter Wege aus Rücksicht auf den Nachwuchs besser nicht gemacht werden.Außerhalb dieser Zeiten ist die Dämmerungsphase am Morgen und am Abend aus jagdlicher Sicht kritisch, da hier auch bevorzugt die Jäger unterwegs sind und ansitzen. Auch ist in dieser Zeit noch das Wild unterwegs auf Nahrungssuche, so dass es hier zu einer vermeidbaren Störung kommen kann. In der Nacht selbst ist dies weniger problematisch. Aus Eigenschutzgründen kann ich aber nur empfehlen, dass man sich dann mit dem Licht einer Taschenlampe vom Wild(-schwein) unterscheidbar macht :-).
Z’Mahlzeit: Die Verantwortlichen von Groundspeak, das ist die größte Geocaching-Plattform im Internet, haben das Wochenende vom 30. April auf den 1. Mai zu einem internationalen Aufräumevent auserkoren. Dass heißt, dass es an diesen beiden Tagen möglichst viele Veranstaltungen geben sollen, die sich zum Ziel setzen, Müll zu sammeln, vergleichbar dem Ramadama. Dabei soll mit der Anzahl der Veranstaltungen auch ein Rekord gebrochen werden. Es ist also anzunehmen, dass hier – auch im Wald – entsprechend viel los ist. Was sagst Du dazu?
Dieter: Das ist an und für sich schon eine gute Idee. Ich gebe allerdings zu bedenken, dass der 1. Mai traditionell auch der Beginn der Bockjagd in Deutschland ist. Nach der Schonzeit dürfen also ab diesem Tag erstmals wieder Rehböcke und Schmahlrehe gejagt werden. Dieser Tag ist quasi der Beginn der Jagdsaison und entsprechend  hoch wird auch der Anteil der Jäger an diesem Tag im Wald sein. Einer möglichen Konfrontation kann man ausweichen, indem man vielleicht das Geocaching-Event auf den Vortag legt.
Z’Mahlzeit: Gibt es sonst noch etwas, was du mir mit auf den (Wald-)Weg geben kannst?
Dieter: Ich denke, dass rücksichtsvolles Verhalten im Wald und Verständnis für beide Seiten die beste Voraussetzung ist, Schwierigkeiten beim Miteinander zu vermeiden. Cache sollten zumindest in der Nähe von Wegen oder Pfaden angelegt werden und nicht mitten in der unberührten Natur. Vielleicht lässt sich auch im Vorfeld einer Cachelegung mit dem jeweiligen Waldbesitzer oder zuständigem Forstamt der Dialog suchen, so dass es hinterher nicht zu Problemen kommt.
Z’Mahlzeit: Was würdest du machen, wenn du mal Schwierigkeiten mit einem Cacher hättest?
Dieter: Ich würde ihm als letzte Äsung ein Filmdöschen geben :-).
Z’Mahlzeit: Na dann, Waidmannsheil.
Dieter: Waidmanns Dank.

weiter Informationen zu diesem Thema unter: www.stmug.bayern.de/umwelt/naturschutz/freizeit/geocaching.htm

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Zwei Suchende im Wald: Der Geocacher und der Jäger

  1. bulldraga sagt:

    tja, und dann gibts da jäger die sich schon beschwert vorkommen, wenn man es auch nur wagt auf den normalen forstwegen durch die stauden zu tapern.

    wir geocacher dringen halt da in ein rifugium ein, das die letzten jahrzehnte nachts nur einem gehörte: dem jäger. und manche sind ja auch unverhohlen der meinung, dass ausser dem jäger keiner dort was zu suchen hätte.

  2. frechdaxx70 sagt:

    Solange man mit dem Wald (meiner Meinung nach immer noch Allgemeingut!) verantwortungsbewusst umgeht, sollte man sich darin auch frei bewegen können. Die „Grundregeln“ beachten (s.o.), keinen Müll hinterlassen, keinen unnötigen Lärm verursachen und die Natur nicht zerstören – das sollte genügen, damit sich Mensch (und Jäger) und Tier verstehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.