Geocacher contra Naturschützer – es bewegt sich etwas

Es ist bereits einige Zeit her, das mein geschätzter Cacherkollege Rumburak67 von einer netten Redakteurin des Bayrischen Rundfunks gebeten wurde, ein Statement zu diesem Thema abzugeben. Dieser Beitrag wurde am 01.09.2012 gesendet und ist in der Mediathek des BR abrufbar.

In diesem Beitrag kam auch der Umweltreferent der Stadt Augsburg Herr Rainer Schaal zu Worte, der aus seiner Sicht die Problematik beleuchtete. Hierbei wurden einige Äußerungen getätigt, die Rumburak67 dazu veranlasst haben, sich einmal per Mail und dann persönlich an Herrn Schaal zu wenden und ihm ein Gespräch anzubieten. Dabei war es sein persönliches Ansinnen, einen Konsens zwischen den verschiedenen „Interesseninhabern“ anzustreben und vielleicht mit dem einen oder anderen Missverständnis aufräumen, wie z.B., dass sich noch nie Geocacher um Genehmigung zum Auslegen von Caches bemüht hätten.

Vor einigen Tagen – seine Hoffnung auf ein Gespräch tendierte schon langsam gegen Null – meldete sich am späten Nachmittag das Umweltreferat der Stadt Augsburg bei ihm. Liebenswerterweise hat Rumburak67 die Kernaussagen dieses Gesprächs für uns im Nachfolgenden zusamengefasst. Wer nun glaubt oder hofft, er hätte sich hier vor den einen oder anderen Karren spannen lassen, den müssen wir an dieser Stelle leider enttäuschen. Es ging ihm seinen Aussagen nach in der Unterhaltung nur und ausschließlich um die Vermittlung zwischen den „Konfliktparteien“, damit wir alle auch in Zukunft unserem Hobby nachgehen können. Doch hier nun sein Bericht:

Herr Schaal entschuldigte sich zunächst für das verspätete Gespräch und räumte gleich zu Beginn ein, dass er in der oben genannten Angelegenheit offensichtlich unvollständig informiert war. Meine Angaben der Gesprächspartner hatte er nämlich zwischenzeitlich überprüft; dieses Verhalten zeigt mir, dass es ihm nicht nur um das Schimpfen über uns Geocacher geht, sondern dass er die Sache durchaus ernst nimmt. Herr Schaal zeigte sich durchweg außergewöhnlich gut über das Thema Geocaching informiert – auch die Kerninhalte der Groundspeak-Guidelines sind ihm bekannt.

Während des beinahe halbstündigen Gespräches entstand für mich zu keinem Zeitpunkt der Eindruck, dass er grundsätzlich etwas gegen Geocaching im Allgemeinen und Caches im Raum Augsburg im Speziellen hat. Er führte mir sogar namentlich einige Caches auf, die er ausdrücklich begrüßt. Als ausdrücklich beispielgebend führte er hier den Biberlehrpfad von „lesserl“ an. Caches dieser Art dürfe es ruhig mehr geben. Neben diesem pädagogischen Aspekt ist ihm sehr wohl auch das touristische Potential des Geocaching bekannt.

Erfreulicherweise unterblieben während der ganzen Zeit die üblichen Anschuldigungen bezüglich des – ja auch tatsächlich existenten – Fehlverhaltens einiger Geocacher. Ich persönlich stimme durchaus zu, dass sich dieses Verhalten häuft. Dieser Umstand hat nach meiner bescheidenen Meinung seine Ursache in der gaußschen Verteilung der kognitiven Fähigkeiten in der Bevölkerung. Auch wenn ich das Gros der Geocacher für überdurchschnittlich intelligente Menschen halte, so führt die Verbreitung der GPS-unterstützten Smartphones in der Breite dazu, dass immer häufiger intellektuell asymmetrisch ausgestatte Zeitgenossen sehr einfach Zugang zu unserem Hobby finden. Diese Ansicht teilt Herr Schaal ebenfalls und wir sind uns darüber einig, dass dieser Trend nicht aufzuhalten ist.

Es ergab sich nun eine wirklich gute Unterhaltung, wie man denn in Zukunft eventuell auftretenden Problemen begegnen könne. Herr Schaal hat hierzu ganz konkrete Vorstellung. Aus seiner Sicht wäre es wünschenswert, wenn sich die örtlichen Geocacher vereinsmäßig organisieren würden. Dies müsse ja nicht zwangsläufiger ein eigenständiger Verein sein; denkenswert wäre z.B. die Möglichkeit sich dem Deutschen Alpenverein anzuschließen und dort eine Abteilung Geocaching zu gründen. Auf diese Weise könne man berechtigte Interessen der beteiligten Gruppen ganz offen und zielführend an einem gemeinsamen Tisch besprechen und eine Lösung im Fall von auftretenden Problemen herbeiführen.

Was ihm eindeutig fehlt sei jemand, den man „greifen“ kann, wenn etwas nicht in den gewünschten Bahnen verläuft. Aus meiner Sicht gibt es diesen „jemand“ bereits, denn bei Problemen kann man sich jederzeit an den Owner, einen der Reviewer oder an das Portal www.cacheprobleme.de wenden und dort seine Sorgen und Wünsche artikulieren.

Aus meiner Einschätzung gestaltet sich diese vereinsmäßige Organisation jedoch etwas problematisch. Zwar wurde mit dem Thüringer Geocaching Verein e.V. bereits eine erste Gemeinschaft dieser Art ins Leben gerufen, doch wenn man es mal objektiv betrachtet, organisieren sich in so einem Verein sowieso nur die Geocacher, die an einem gemeinsamen Miteinander interessiert sind und die gleichen Interessen verfolgen. Den rufschädigenden Anteil von Individualisten und beratungsresistenten Dosensuchern erreicht man auch mit so einem Verein nicht. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren und bin auf Eure Reaktionen dazu gespannt.

Was bleibt als Fazit aus diesem Gespräch?

Das Umweltreferat und ein Großteil der Geocacher würden gerne einen großen Schritt aufeinander zu machen. Dazu müssen nicht einmal Türen eingerannt werden, denn die stehen schon sperrangelweit offen. Aber wie das nun mal so ist: Unter einem Türstock redet es sich nun mal so unbequem. Es bleibt die Frage, wie man an einen gemeinsamen Tisch kommt. Herr Schaal ist gerne zu konstruktiven Gesprächen bereit und vielleicht lässt sich ja auch in unserer Region ein ähnliches Projekt wie GECKO starten. Bis dahin bleibt uns Geocachern aber nur die Möglichkeit des Besinnens auf das naturverträgliche Cachen und die Einhaltung der Spielregeln. Hier geht es bestimmt nicht um kleine Trampelpfade, die von einem Weg ein oder zwei Meter zu einem Hinweis oder einer Dose führen. Es geht auch nicht um einen Nagel in einem Baum – der ärgert später höchstens das Sägewerk, wenn sich das Sägeblatt funkensprühend verabschiedet. Die Bäume, in denen ich vor 35 Jahren meine Baumhäuser gebaut habe stehen jedenfalls noch und erfreuen sich bester Gesundheit. Aber die Rücksichtnahme auf Fauna und Flora ist nun mal ein essentieller Bestandteil unseres Hobbys, wenn wir in Augsburg Stadt und Land weiter unserer Dosensucht frönen wollen. In anderen Gemeinden wurde bereits per Verordnung das Geocaching verboten und ein Verstoß dagegen als Ordnungswidrigkeit definiert. Einen wirklich lesenswerten Thread zu dieser Thematik findet man im Blog von Travelling Jack.

Falls jemand weitergehende Fragen zu diesem Gespräch hat, so stehe ich gerne Rede und Antwort. Außerdem würde ich mich über ein Feedback oder Eure Meinung zum Thema sehr freuen. Manch anderer würde an dieser Stelle sagen „Lasst Euch nicht die Dosen klauen“. Ich sag’ einfach nur: „Wäre schön, wenn wir uns demnächst mal wieder irgendwo treffen würden – and watch out for 3. oberbayrisches Cachedosenwichteln!“.

Diesem Schlusswort schließen wir uns natürlich gerne an. In diesem Sinne freuen wir uns auf Eure Fragen, Anregungen oder Kommentare und danken Rumburak67 ganz herzlich, dass er auf diese Weise den Stein  ins Rollen gebracht hat. Unser Dank gilt aber auch Herrn Schaal und seine Gesprächsbereitschaft zu diesem Thema. Ein konstruktiver Anfang ist gemacht.

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Ein Kommentar zu Geocacher contra Naturschützer – es bewegt sich etwas

  1. Vielen Dank für den Artikel. Sind einige interessante Links dabei. Das Thema ist sehr aktuell und es ist einiges in Bewegung. In NRW gibt es auch eine Art Beschwerdetelefon, bei dem Problemcaches gemeldet werden können. Ich bin gespannt, ob und wie diese Initiativen angenommen werden.

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